Freitag, 28. September 2007

Man braucht Geduld...

Gestern haben wir endlich unser Bankkonto eröffnet, weil wir die Unterlagen heute noch im Handyladen nachreichen müssen (das nennt sich Service, oder?). Dass das soooo lang dauern würde, habe ich nicht gedacht. Wir haben geschlagenen 2,5 Stunden in der Bank verbracht. Zunächst war das Problem, dass ich die Kanjis nicht beherrsche, das Formular aber selbst ausfüllen musste. Irgendwann, nachdem sich der Angestellte bei zehn verschiedenen Personen abgesichert hatte, durfte ich dann zumindest teilweise in Katakana schreiben. Da waren dann schon 30 Minuten vergangen. Also los, erst den Vornamen, dann den Nachnamen. Ach nein, doch nicht, neues Formular, erst den Nachnamen, dann den Vornamen - so wie es auf meiner Alien Registration Card steht. Und das Formular noch mal ausfüllen, weil ich nicht fest genug gedrückt habe und man auf der dritten Seite nichts mehr lesen konnte. Und noch ein Versuch, die Kanji-Adresse auf der Alien Registration Card stimmt nicht mit der Romanji-Adresse (normale Buchstaben) überein, die uns die Uni aufgeschrieben hat (denn zumindest die Adresse durfte ich in Romanji schreiben, sonst würde ich heute noch Kanjis malen). Verena und Gregor mussten auch mehrere Exemplare ausfüllen, mal hatte man die middle names unterschlagen, mal war auch hier die Adresse falsch.
Ohne sich nach allen Seiten abzusichern, haben die japanischen Bankangestellten keinen Arbeitsschritt ausgeführt, insgesamt sind fünf Angestellte für uns durch die Gegend gerannt. Wenn Japaner etwas holen müssen, dann gehen sie nämlich nicht, sie rennen. Egal, ob in der Bank, im Supermarkt oder im Rathaus, sie flitzen los.

Uns ist Donnerstag im Rathaus schon aufgefallen, dass die japanischen Behörden anderes arbeiten. In unserer Abteilung gab es mindestens 50 Angestellte, es gab aber nur 8 Schalter mit jeweils zwei Sitzplätzen, davon war nur ein Schalter mit Gregor und mir besetzt. Um uns haben sich dann gleich drei Angestellte gekümmert, die immer fleißig hin und her gerannt sind, die Ausführung der einzelnen Arbeitschritte hat dann aber extrem lange gedauert. (Hab z.B. noch nie jemanden so langsam ein Formular am PC ausfüllen sehen.) Die anderen Angestellten standen freundlich lächelnd zu dritt neben dem Kopierer oder hinter den Schreibtischen, in Deutschland hätte man da wohl schon vor Jahren Sparmaßnahmen eingeführt.

Irgendwann hatten wir dann in der Bank jedenfalls alles richtig ausgefüllt und haben das erste Geld eingezahlt und als Geschenk Zahnpasta und Taschentücher bekommen. Man muss dazu sagen, dass die Bank aber auch schon geschlossen hatte, nachdem wir das Gebäude endlich verlassen haben. Gleiches galt am Donnerstag für den Handyladen. Der Bankangestellte, der uns zuerst bedient hat und anfangs so viele Fehler gemacht hat, hat sich übrigens noch mal höflich bei uns entschuldigt.


Freitag morgen gab es in der Uni noch eine Informationsveranstaltung darüber, wie wir die PCs bedienenen. Neben jeden Austauschstudenten wurde ein Tutor gesetzt, man hat uns nicht zugetraut, dass wir das, was vorne über den Beamer vorgemacht wurde, alleine nachmachen können. Danach gab es eine Präsentation darüber, wie wir die Toiletten benutzen (man muss tatsächlich alles abziehen...), wie wir Fahrrad fahren (nachts Licht an und bloß nicht zu zweit fahren) und wie wir den Müll sortieren. Das System ist recht merkwürdig, man hat acht verschiedene Kategorien und darf immer nur den Müll in das Häuschen an der Straße stellen, der am jeweiligen Tag abgeholt wird. D.h., dass wir den Müll sehr lange in unseren Zimmern lagern müssen. Lecker. Haben uns schon überlegt, dann auf dem Weg zu Uni immer unauffällig Müll zu entsorgen, aber selbst in der Öffentlichkeit wird Müll getrennt und Mülleimer sind eher rar.

So viel für heute, werde mich jetzt mit der japanischen Waschmaschine auf meinem Balkon auseinander setzen!
Viele Grüße
Vera

1 Kommentar:

  1. Ich schmeiß mich weg! Hab immer gedacht die Japaner wären nicht so dösig wie die Chinesen! Aber die Geschichte mit der Bank hab ich in China genauso erlebt! Allerdings wollte ich nicht mal so was "Schwieriges" wie ein Konto eröffnen, sondern einfach nur Traveller-Schecks cashen! Hat auch so eeeeeewig gedauert! Immer cool bleiben ;-)
    Hier in D haben wir übrigens schon den ganzen Tag DAUERREGEN *grml* Freu dich, dass du so weit weg bist!
    Ganz lieben Gruß
    Sandra

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