Also, nein, wir haben die Klimaanlage (aka größter Fön der Welt) nicht umgebaut, ich habe mich eher dem allgemeinen Trend angeschlossen und mir eine Heizdecke angeschafft. Ok, anschaffen lassen. Kein Scherz. Die Kaffeefahrt ist mir zum Glück erspart geblieben. So hält man es auch bei 17 Grad im Zimmer ohne Heizung in seinem Bett aus und die Stromrechnung ist am Ende hoffentlich nicht ganz so hoch. Haha, kann euch aber jetzt schon sagen, dass ich auch in Deutschland im Winter nicht mehr "ohne" schlafen werde. Jetzt halte ich mich noch viel lieber im Bett auf, und das tue ich ja ohnehin schon viel zu gerne. Schlafen ist doch wirklich ein günstiges Hobby!
Um unsere Klimaanlagenheizung so wenig wie möglich zu benutzen und somit Geld zu sparen, verbringen wir zur Zeit einen Großteil unserer Freizeit im common room. Da wir das Fernsehprogramm nicht verstehen, bleiben uns dort neben essen und lustigen Gesprächen wenige Alternativen, d.h. wir lernen mehr als vorher, was sich gleich positiv auf sämtliche Tests dieser Woche ausgewirkt hat.
Besonders schlimm hat es einen Chinesen getroffen, sie teilen sich mit mehreren Leuten einen family apartment und sein Schlafzimmer hat keine Klimaanlage, logischer Weise dann auch keine Heizung. Wir leiden mit ihm. Gestern hat er dann endlich seine Miniheizung überreicht bekommen, wurde auch langsam Zeit. Hatte an dieser Stelle eigentlich noch vor, über japanische, frostbeulenfeindliche Architektur zu berichten, das hat Gregor mir allerdings schon abgenommen, also verweise ich an dieser Stelle mal auf sein blog... Kein Wunder also, das es hier durch alle Ritzen zieht und dass in unserem Zimmer Kerzen aufgrund gefühlter Windstärke 10 keine Überlebenschance haben (glaubt es mir, mein Schreibtisch steht direkt am Fenster - der Kopf ist dank unseres überdimensionalen Föns schön warm, die Füße verwandeln sich durch die Windböen zu Eisklumpen). Kann allerdings froh sein, dass ich im ersten Stock wohne, die Jungs unter mir haben morgens ca. 14 Grad im Zimmer, in Josephs riesigem Apartment herrschen im Flur morgens ohne Heizung sogar nur 11 Grad. Ich werde also nie wieder meckern, sondern rufe an dieser Stelle aufgrund des allgemeinen Wohlbefindens dazu auf, mal ein paar Architekten aus Deutschland nach Japan zu schicken.
Ja, was ist diese Woche außer Lernen sonst noch so geschehen? Nicht soooo viel. Beschäftige mich viel mit sämtlichen papern und meinen geliebten Kanjis. Dienstag haben wir aber mal ein wenig Abwechselung ins Programm gebracht und den Deutschunterricht an der Uni besucht. Lisas Tutorin hat den Kontakt zu ihrem Lehrer hergestellt und so haben wir Dienstag in unserer Freistunde den Studenten zunächst Rede und Antwort gestanden. Erste Fragen der Studenten an Gregor war übrigens: "Trinkst du gerne Bier?". Natürlich...
Nach 30 Minuten ging der Unterricht dann ganz normal weiter. Uns wurde vorher gesagt, dass der Großteil der Studenten nur in diesem Kurs sitzt, weil für Wiwi und Education eine weitere Sprache neben Englisch belegt werden muss. Das hat man dann auch relativ schnell gemerkt, in der ersten Reihe wurde z.B. fröhlich vor sich hingeschlafen. Insgesamt war die Beteiligung auch eher schwach. Nach einem Jahr wählen die meisten Studenten das Fach dann ab. Ziel des Professors war es daher in einem Jahr so viel Grammatik wie möglich zu vermitteln und mir wurde mal wieder bewusst, dass Deutsch eine verdammt schwierige Sprache ist. Um so bewundernswerter ist es, dass Prof. Ikeuchi akzentfreies Deutsch spricht, er hat in den 70ern in Marburg studiert.


Dienstag Abend hieß es dann für mich mal wieder: "Schnippschnapp Haare ab!", hab mich noch mal für die Feiertage herausputzen lassen. Und wieder hieß es 20 Minuten waschen uns massieren, 20 Minuten schneiden, 15 Minuten föhnen und noch mal 10 Minuten schneiden. Und das für 3675 Yen, da kann man nicht meckern. Kleiner Exkurs: Verena wollte gestern mal eben schnell zum Friseur gehen und hat dafür (nur schneiden...) 3 Stunden gebraucht. Mal eben schnell geht hier halt nicht ;-)
Gestern haben wir dann Johans vorübergehenden Abschied als Vorwand für ein gemeinsames Abendessen genutzt. Johan fliegt heute für zwei Wochen in Richtung Heimat, um mit seiner Freundin Weihnachten und Silvester zu feiern. Er hat mir versprochen jeden Tag einen Döner für mich zu essen ;-) Insgesamt haben sich spontan 15 Leute versammelt, was die Restaurantsuche nicht gerade einfach gemacht hat. Wir haben aber schließlich einen Italiener gefunden, der sogar relativ günstige Pizza im Angebot hatte. Verwöhnt von der super Pizza am Dienstag (ja, ich habe Nachholbedarf und war schon Dienstag mit Garret Pizza essen), war ich eher enttäuscht, als dann ein pfannkuchenartiges Etwas geliefert wurde. War lecker, aber selbst für mich nicht genug.
Ebenfalls gestern, kurz bevor wir essen wollten, ereignete sich folgende Szene im common room: Junior, oben erwähnter Chinese und ich saßen dort zum Lernen, als Joseph mit einer Rechnung den Raum betrat und einen kleinen Freudentanz aufgeführt hat. Nur 4400 Yen, nur 4400 Yen, das ist sooo günstig... Er hat sich gefreut wie ein kleines Kind und irgendwann weiter geredet: Habe mit einer Stromrechnung von 12000 Yen gerechnet, weil meine Klimaanlage 24/7 läuft. (Kleiner Exkurs: bei ihm in Ghana sind 23 Grad schon kalt) Ääääh, Joseph, du weißt aber, dass das die Wasserrechnung für zwei Monate ist und nicht die Stromrechnung???? Waaaaas, wirklich, verdammter Mist, ist das teuer. Wo kann ich mich beschweren...? So ist das halt, wenn man keine Kanjis kann - wir wissen manchmal nicht mal, was für Rechnungen wir da gerad erhalten haben bzw. zahlen sollen.
Ansonsten habe ich gestern in der Heimat den 50. Geburtstag meiner kleinen Mama (und natürlich auch ihrer Zwillingsschwester) verpasst. An dieser Stelle noch mal herzlichen Glückwunsch. Haha, bitte deine Lieblingstochter nicht dafür killen, dass sie dein Alter verraten hat und jetzt auch noch ein Foto von dir veröffentlicht ;-) Hoffe wir feiern im März eine nachträgliche Doppelschachtelparty!
So viel an dieser Stelle.... Liebste Grüße! Vera
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